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Warum sich Verspannungen in der Nacht verstärken

18.03.2020

Rückenschmerzen oder Nackenverspannungen werden nachts oftmals schlimmer. Das erste Strecken oder eine warme Dusche am Morgen verspricht Linderung. Doch warum intensivieren sich die Schmerzen gerade im Schlaf, obwohl der Körper in dieser Zeit regenerieren sollte?

Die häufigsten Gründe für Rückenbeschwerden sind nicht struktureller Natur, sondern lassen sich auf Verspannungskreisläufe der Muskeln zurückführen. Dies zeigt sich oft in einer muskulären Disbalance. Wenig Bewegung und häufiges Sitzen begünstigen eine Verkürzung der vorderen Muskelgruppen. Daraus resultiert eine höhere Spannung in den rückwärtigen Muskeln. Ein ungleiches Spannungsverhältnis also, das bereits tagsüber seinen Lauf nimmt. Wir reagieren darauf automatisch, indem wir mit Entlastungsbewegungen die einseitige Spannung reduzieren oder auf andere Bereiche verlagern.

Die gleichen Mechanismen im Körper sind nachts ebenfalls zu erkennen. Wir passen unsere Schlafposition automatisch der Unterlage an. Ist das Bettsystem nicht richtig angepasst, befindet man sich häufig in unnatürlichen Liegepositionen. Wenn beispielsweise die Schulter zu wenig einsinkt, wird sie weggedreht, um den Druck darauf zu reduzieren. Oder wenn die Taille seitlich zu wenig unterstützt wird, knickt sie ein, wir kippen das Becken ab und legen das obere Bein nach vorne auf die Matratze. Auch diese Haltungskorrekturen während der Nacht erfolgen automatisch und unbewusst. Das Spannungsungleichgewicht verstärkt sich zusätzlich zu dem, was wir uns bereits über den Tag zugezogen haben.

Unser Körper durchläuft nachts abwechslungsweise verschiedene Schlafphasen, die sich in der Schlaftiefe und verschiedenen Funktionen unterscheiden. In der Tiefschlafphase finden die meisten körperlichen Regenerationsprozesse statt. Wir bewegen uns nahezu gar nicht und verharren längere Zeit in der gewählten Liegelage. Ein gesunder Schläfer befindet sich 3-5mal pro Nacht, bis zu 30 Minuten in dieser statischen Position. Bei einer ungünstigen Liegeposition wird die Muskulatur immer einseitig überdehnt und auf der anderen Seite verkürzt. Der Körper möchte dieses Ungleichgewicht wieder in die natürliche Lage zurückbewegen und reagiert mit einer Korrekturspannung. Da dies während der Tiefschlafphase von uns unbemerkt bleibt, fehlt die entsprechende Entlastungsbewegung, wie diese tagsüber automatisch gemacht wird.

Diese Prozesse lassen sich mit einem bekannten Szenario nachvollziehen: Wer im Hotel oder der Ferienwohnung mit weniger Schmerzen erwacht, hat nicht gezwungenermassen das ideale Bett gefunden. Neben anderen Bewegungsabläufen im Urlaub, spielt auch unsere archaische Herkunft eine Rolle. Früher war sich der Mensch gewohnt, an fremden Orten besonders aufmerksam zu sein, um auf mögliche Gefahrensituationen entsprechend reagieren zu können. Wir schlafen deshalb noch heute unruhiger, wenn wir nicht im gewohnten Umfeld sind. Der Schlaf ist weniger tief, dafür bewegen wir uns öfters in der Nacht und verlagern unsere Position. Darunter sind auch vermehrt Entlastungsbewegungen, was zu weniger Verspannungen führt. Oftmals fühlt man sich deshalb morgens schmerzfreier, obwohl man – zumindest objektiv gesehen – schlechter geschlafen hat.

Die besten Chancen, zu Hause möglichst entspannt zu erwachen, hat man mit ausreichend Bewegung tagsüber und einem Bettsystem, dass zum Körperbau und den Schlafgewohnheiten passt

Quelle: Bündner Woche